Grillabend, Großstadttrubel und Geselligkeiten

Von Göteborg im Eiltempo übers Kattegatt.

Göteborg/Varberg/Torekov. 2,5 Tage Göteborg liegen nun hinter LUCCA samt Besatzung und diese lassen nur ein Fazit zu: Schön war’s. In Gesellschaft der beiden deutschen Segelboote Novia und KEA ließen wir es uns das Wochenende so richtig gut gehen. Zwar mussten wir den Hafenmeister dreimal aufsuchen, da bei jedem Mal das Kartenlesegerät nicht funktionierte und wir schon ein wenig auf einen kostenfreien Aufenthalt hofften, doch schlussendlich konnten die Liegegebühren abgebucht werden. Doch ein kleiner Rabatt, zahlreiche 24-Stunden-Wlan-Zugangskärtchen und ausreichend Warmwasser in den Duschen (zumindest für alle Segler außer Michi von der Novia =) ) machten den Aufenthalt in der Lilla Bommen Marina zu einem rundum gelungenen und durchaus bezahlbaren. Für drei Nächte zahlten wir so ungefähr 85 Euro Liegegebühren, also weniger als 30 Euro pro Nacht, was ja in Stockholm und Tallin schon fast ein echtes Schnäppchen gewesen wäre.

 

Schnäppchen-Jäger und Shopping-Begeisterte sind in Göteborg im siebten Himmel, in der gesamten Innenstadt kann man sich vor Modeläden, Schuhgeschäften, Juwelieren und Heimbedarf kaum retten und überall prangt in großen Buchstaben REA (Schlussverkauf). Auch Liebhaber von gutem Essen kommen auf ihre Kosten, vor allem in der Markthalle. Diese versorgte uns auch mit Elch-Gehacktem für den Grillabend, zu dem LUCCA die beiden anderen Bootsbesatzungen eingeladen hat. So gab es Elchburger für Allemann, dazu natürlich Bier, Salat, Süßkartoffeln und jede Menge gute Stimmung. An dieser Stelle also ein Dankeschön an Stephan, Michi und Max für den netten Abend. =)

 

Einen äußerst amüsanten Abend hatten Skipper Marco und Matrosin Paula auch am Samstag. Nach einem sittlichen Besuch in einer der vielen Innenstadtkneipen und fleißigem Postkartenschreiben verholten wir uns noch spontan in die ‚Öl Hallen‘ – die urige Kneipe direkt gegenüber, von der schon seit Stunden schallendes Gelächter zu uns herüberdrang. Gut 100 Jahre hat diese Kneipe schon auf dem Buckel und wird ihrem Namen mehr als gerecht: Essen gibt es nicht, aber einen Tresen mit gefühlt 20 verschiedenen Zapfhähnen. Wir entschieden uns zur Abwechslung mal nicht für ein schwedisches Hopfengetränk, sondern wählten den belgischen Klassiker Stella Artois (als kleine Hommage an Chris und Ann vom ‚Wellentänzer‘ =) ). Dies ging nicht nur sprichwörtlich runter wie Öl. Und so kamen wir bei drei halben Litern mit Janne ins Gespräch, der aus Trollhättan stammt, in Göteborg wohnt, viele Kinder und Enkel hat und zum Arbeiten immer nach Kopenhagen fährt. Kontaktdaten wurden erst einmal ausgetauscht, vielleicht trifft man sich in Dänemarks Hauptstadt ja auf einen Drink.

 

Wen wir auf jeden Fall in Kopenhagen treffen werden, sind Kerstin und Jörg aus Rostock. Anscheinend hat es Jörg die Woche von Klaipėda nach Riga so gut auf LUCCA gefallen, dass er spontan mit seiner Frau Kerstin einen Kurzaufenthalt an Bord ‚gebucht‘ hat. So nehmen wir nun stramm Kurs auf Kopenhagen und nähern uns mit relativ großen Sprüngen bei (noch) idealen Segelbedingungen Dänemark. Auch wenn das Kattegatt so seine eigenen Regeln zu verfolgen scheint und die gestrige Schmetterlingsbesegelung zu einem lauten Hin- und Her-Geknalle machte. Auch Autopilot Ernie war dies zu doof und er änderte mal sportlich und vor allem so völlig selbstständig zweimal den Kurs um 90°. Doch uns als wachsame Besatzung entgeht sowas natürlich nicht. In Varberg machten wir am späten Abend fest, der Skipper ignorierte kurzerhand die Empfehlung seiner Navigatorin und wir machten statt im Stadthafen in der gegenüberliegenden 2 sm entfernten Sportbootmarina fest. Toller Hafen, voller Boote, nur so richtig ruhig und einsam. Statt einer kleinen Sonntagabendbelohnung nach 47 sm Strecke folgte ein kurzer Spaziergang durchs nirgendwo und ein frustriertes in-die-Koje-gehen. Jaja, was hätten wir auf der gegenüberliegenden Uferseite so alles erleben können…Restaurants und Kneipen, die bis 22 Uhr offen waren, Pizza oder Indisch, Krabbenbrötchen oder einfach nur Bootegucken. Ok Ok, Boote gab es in ‚unserer‘ Gastmarina mehr als genug.

Wie dem auch sei, war uns das Glück in der kleinen unwahrscheinlich hübschen Ortschaft Torekov am Folgetag sehr hold. Zwar hatten alle Gastronomien direkt am Hafen (und davon gibt es in Sichtweite ein gutes halbes Dutzend) schon geschlossen, doch der Pizza-Laden am Stadtkernrand hatte noch offen und konnte uns eine warme, bezahlbare und nach langem einmal nicht selbstzubereitete Mahlzeit bieten. Überraschenderweise schnellte sofort nach dem Anlegen der Hafenmeister wie aus dem Nichts um die Ecke des kleinen Hafenmeister-Gebäudes, begrüßte uns auf Deutsch und erklärte uns in selbiger Sprache sofort, dass der Zugangscode für die Sanitäreinrichtungen ein ganz anderer wäre, als der, den wir noch nicht hatten. Ok, viele Infos in kurzer Zeit, dabei wollten wir nur schnell noch was Essen gehen. Aber alles entspannt, der Pizzaladen hatte bis 21 Uhr offen, nachdem wir im Marschschritt kurz vor 20 Uhr und nach 46 sm und 8,5 h auf dem welligen Kattegat dort hin gehetzt sind, weil…man weiß ja nie. =) Auf dem Rückweg dann haben wir noch die Öffnungszeiten für den hiesigen Bäcker in Erfahrung gebracht, denn so langsam müssen die baren Kronen ausgegeben werden. Schließlich heißt das nächste Ziel Helsingør/Dänemark, in dem wir mit schwedischen Kronen wohl nicht mehr weit kommen werden.

Wir melden uns als bald und verbleiben mit…

…Handbreit.

 

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Ein Gedanke zu “Grillabend, Großstadttrubel und Geselligkeiten

  1. Hallo Scipper Marco und Leichtmatrose Paula (hoffentlich gibt es nach der Fahrt eine Beförderung)
    Mit viel Vergnügen habe ich die Reiseberichte gelesen und habe mich über die netten Postkarten gefreut.Gerade in Schweden kenne ich auch einige Stellen wo Ihr gewesen seit.Habe auch schon an einer Schleuse des Göta-Kanals gestanden und den Seglern zugeschaut.Haben die alte „Juno“ gesehen und mal nachgedacht mit ihr den Kanal zu befahren.Paula hat so eine schöne Art zu schreiben
    das es nie langweilig ist.Für den Rest der Fahrt wünsche ich Euch guten Wind aus der richtigen Richtung und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel.
    Viele Grüsse von Holger

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