Macht hoch die Tür, die Tor‘ macht weit

Es kommt das Schiff der Freundlichkeit.

Trollhättekanal/Göteborg. Schleuse, Brücke, Brücke, Schleuse, Schleuse, Schleuse, Brücke, Brücke, Brücke und irgendwann befindet sich LUCCA samt Besatzung wieder auf Meeresspiegelniveau. Am frühen Nachmittag war es soweit, die letzte Schleuse des Trollhättekanals wurde passiert und nun sind wir sozusagen wieder auf gewohntem Terrain, also auf 0,00 m ü.M. oder Normalnull.

Null scheint auch die gefühlte Temperatur, gut, so schlimm auch nicht, aber bei 13°C und Regen ist heute wahrlich Herbstwetter hier in Ostschweden. Der Fluss Göta Älv, der den natürlichen Verlauf des Trollhätte- und des Götakanals bildet, schiebt dafür schön mit ein bis zwei Knoten von hinten und wir erreichen stolze 7 knt Fahrt über Grund. Das erleichtert die verbleibenden 25 sm unter Motor bis wir am frühen Abend Göteborg erreichen. Doch zuvor gilt es noch zwei Mal, voraussichtlich, wenn nicht irgendwo eine neue Brücke innerhalb der letzten Jahre errichtet wurde, den Brückenwärter anzufunken und sich letzte Öffnungen zu erbeten. Das hat bisher ziemlich gut geklappt, sowohl das Funken als auch das Öffnen der Klapp- und Dreh- und Hubbrücken. Mit 10 knt eilt der Passagierdampfer Diana einige Meilen vor uns durch die mittlerweile sehr ländlich anmutende Gegend, bis wir das kleine Kreuzfahrtschiff vielleicht an der nächsten Brücke wiedertreffen werden. Ab dann passen sowohl Diana als auch LUCCA’s Mast problemlos durch die verbleibenden Land-Land-Verbindungen und als bald wird sich die Stadtkulisse von Göteborg am Horizont abzeichnen.

Fünf der sechs Schleusen des Trollhättekanals haben wir sehr gut gemeistert, nur bei der ersten Schleuse kurz hinter Vänersborg hat sich die Schiffsbesatzung angestellt, als wären wir die Stars von ‚Versteckte Kamera‘. Kaum auszumalen, wie oft der kleine Film der Schleusen-Kamera durch die Kanalbüros seine Runde machen wird und wie laut das Gelächter der Schleusenwärter samt Kanalverwaltungspersonal sein mag. Das gefüllte Basin schien einem Whirlpool gleich und es war uns einfach unmöglich, die Schleusenmauer längsseits backbord zu erreichen. So haben wir ganz unkonventionell erst die halbe Schleusenzeit hin und her motort, der ferngesteuerte Schleusenwärter wollte wohl nicht warten, bis wir das Schiff in der Schleuse auf Position bringen konnten. Nach gefühlten zehn Mal vor und zurück erwischte dann die LUCCA-Besatzung mit dem Bug die Schleusenwand, hielt sich fest und trieb mutterseelenalleine quer in der Schleuse. Diese sind ja aber zum Glück breit genug und so schafften wir trotz allem den 5 m Abstieg ohne Blessuren. Nur mit hochrotem Kopf und wiederholtem Schütteln dessen. =)

Aber mit Schmach können wir um, wie wir beim Angeln ja schon merken durften. Wie dem auch sei, die Lilla Bommen Marina im Zentrum Göteborgs wird für das Wochenende unser Domizil sein. Zuvor jedoch müssen wir LUCCA noch für die zweitbevölkerungsreichste Stadt Schwedens feinfarig herausputzen und schrubben hier zwischen zwei Brücken nach und nach das Deck. Auch wenn der strahlende Glanz meist nur von bedingter Dauer ist und sich als bald wieder Schuhabdrücke auf dem weißen Decksbelag abzeichnen. Die viele Arbeit machte vor allem die vorletzte Brücke zu Nichte, denn statt kurzer Wartezeit auf eine Privat-Öffnung müssen wir 1,5 Stunden abwettern, bis 18 Uhr die Brücke planmäßig öffnet. Der ‚Anlegesteg‘ sind zwei Stahlträger im halben Meter Abstand übereinander, gefolgt von einem breiten Steg mit dickem grünem Belag auf den Holzbohlen. Da Paula nun mal nicht 2 m aus dem Stand in die Höhe springen kann, musste kurzerhand ein bäuchlings-Heraufkrabbeln herhalten um die Festmacher von LUCCA um die Poller zu schwingen. Dass sich unsere Ankunft in Göteborg nun eben um mindestens diese Zeitspanne nach hinten verschiebt, ist offensichtlich. Mal schauen, was die Eisenbahnbrücke gut 1 sm vor unserem Zielhafen noch für Überraschungen bereithält.

Wünschenswert wäre die Hafeneinfahrt in Lilla Bommen noch mit dem letzten Tageslicht. Und glücklicherweise wurden unsere Wünsche erhört und nicht zuletzt durch das vor uns die Brücke passierende Frachtschiff begünstigt: Brücke hoch, Frachter durch, LUCCA hinterher und kurze Zeit später machte die Hanse samt Crew nach 35 sm in Göteborg fest. Eine kleine Begrüßung von bekannten Gesichtern, die uns in Vänersborg verlassen hatten und ein fantastisches Abendbrot mit Elchfilet krönten den verregneten Tag. Großstadtgetümmel wir kommen! Und werden berichten.

Handbreit.

Paula

Der historische Kanal aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts…offensichtlich heute nicht mehr in Betrieb.

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Das durchnummerierte Fahrwasser des Trollhättekanals. Obacht vor den meterlangen Auslegern.

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